Warum es manchmal schwierig ist….

„Das du das einfach einmal machst, das finde ich super. So oft macht man es dann doch einfach nicht.“ Das waren Worte einer lieben Freundin, die mich sehr geehrt und auch sehr bewegt haben. Und um ganz ehrlich zu sein, habe ich es mir zu Beginn genau so vorgestellt: Einfach machen. Etwas Gutes tun. Ehrlich helfen, ohne Selbstnutz. Dass es nicht immer so einfach sein würde, habe ich nicht eingeplant.

 

Ich habe gedacht, dass das Training anstrengend wird. Es war voraussehbar, dass ich körperliche Schmerzen haben werde. Klar war auch, dass ich immer Mal zuhause sitze und sage, dass ich so richtig gar keine Lust habe, laufen zu gehen. Gerechnet habe ich auch damit, dass ich Arztbesuche hinter mich bringen muss – worst case in meinem Fall, denn kaum jemand kann sich vorstellen, wie sehr ich es hasse, zum Arzt zu gehen. So sehr jedenfalls, dass ich meinen Freund fragen muss, ob er mich zu einer einfachen Blutabnahme zu unserem circa 800m entfernten Arzt FÄHRT, weil ich alleine Angst habe. Der Arzttermin war halb so wild. Alles andere ist kaum vorgekommen. Im Gegenteil – eher bin ich traurig, wenn ich nicht laufen „darf“, weil es einfach unvernünftig wäre.

 

Dass ich jedoch damit kämpfen muss, meine Social-media-Accounts vor dem Sperren zu bewahren, obwohl ich nicht wirklich werbe - jedenfalls nicht aus Selbstnutz, sondern für eine gemeinnützige Sache, damit habe ich nicht gerechnet. Dass ich Datenschutzrichtlinien nach bestem Wissen und Gewissen ebenso zusammenstelle wie Datenschutzerklärungen – und immer ein klein bisschen Sorge bleibt, etwas falsch zu machen, das habe ich unterschätzt. Ich habe keine Ahnung davon, wie man eine Website erstellt und noch weniger davon, was ich ändern muss, wenn etwas nicht läuft. Ich wollte mich mit all dem ehrlich gesagt auch noch nie beschäftigen.

 

Anfangs war es leicht, denn jeden Tag kamen Follower und große sowie kleine, sehr schöne Erfolge. Langsam flaut diese erste Welle ab. Es kommen nicht mehr täglich Follower dazu. Die Spendeneingänge sind deutlich zurück gegangen. Das erste Tief kündigt sich an. Anfangs war jeder Schritt neu und es machte mir nichts aus „Klinken zu putzen“, um Spendengelder anzufragen. Häufig kamen positive Antworten – die regionalen Zeitungen, der Podcast, das Gewinnspiel. Das alles machte es mir leicht, immer weiter zu machen und am Ball zu bleiben. Doch dann kamen die Absagen zahlreich – oder gar nicht. Entweder war das Projekt nicht passend oder es gab nur festgelegte Projekte, die unterstützt werden können. Die mittelständischen Unternehmen haben mit der Corona-Krise zu kämpfen, an „die Großen“ komme ich nicht heran – oder ich dringe nicht zu ihnen durch. Ebenso oft wie es Absagen gab, erhielt ich bis heute keine Antwort. Eigentlich ist das noch viel frustrierender.

 

Es ist gefordert, was mich von Beginn an umtreibt: Geduld. Ich mache die Dinge in der Regel lieber selbst, als darauf zu warten, dass jemand anderes es tut. Gerne habe ich alles unter Kontrolle. Ungern warte ich. Aber so wie ich bei den langen, langsamen Läufen lernen musste anzunehmen, dass meine Herzfrequenz erst hinterherkommen muss, bevor ich daran denken kann, wirklich lang zu laufen, so muss ich darauf warten, dass ich irgendwann den einen Kontakt erhalte, der mich weiter voranbringt. Der meine Ideen umsetzen kann und dabei hilft, noch mehr Spenden zu sammeln. Vielleicht kommt auch erst noch die Idee, die noch kommen muss, um noch mehr Menschen zu begeistern. Geduld und Vertrauen darauf, dass es sich schon fügen wird. Insgesamt gibt es schließlich keinen Grund zu klagen – immerhin sind schon 1470€ zusammengekommen. Und ich habe es auch schon geschafft einen Halbmarathon bei niedriger Herzfrequenz zu laufen. Die Geduld scheint sich auszuzahlen. Ich brauche vielleicht einfach nur noch ein klein wenig mehr davon… für die fehlenden 8530€ für das Frauenhaus in Gifhorn und damit Martin und ich Marathon laufen. Weiter machen.

 

P.S.: Wenn du dich jetzt fragst, wer Martin ist, dann solltest du dringend den „Was Läuft?“-Podcast hören! https://podcast.happywesternhorse.de/