Sprache ist Gewalt! – Danke an Joko und Klaas

Joko und Klaas haben in dieser Woche mit ihren bei ProSieben gewonnenen 15 min. auf das Thema „Gewalt gegen Frauen“ aufmerksam gemacht. Sicherlich wurde hier eine andere Form der Gewalt besprochen als die häusliche Gewalt. Nichts von beidem ist harmloser oder weniger wichtig. Eine in dem Video wichtige und erschreckende Zahl ist: 10%. Es werden nur 10% der Vergewaltigungen an Frauen zur Anzeige gebracht. Sicher auch, weil sexualisierte Gewalt nicht selten zuhause stattfindet. Mädchen und Jungen, die im häuslichen Umfeld darunter leiden. Frauen, die nicht wissen, wie sie sich dagegen wehren können. Frauenhäuser können hier ein Zufluchtsort sein. Danke an Joko und Klaas, dass sie die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf dieses Thema gelenkt haben.

 

Ein Aspekt, der in der virtuellen Ausstellung sehr schön deutlich geworden ist, ist derjenige der sprachlichen Gewalt. Immer wieder müssen sich Frauen ekelhafte Dinge sagen lassen. Sie werden in Social Media beleidigt, ihnen wird „der Schwanz“ angeboten – ob sie wollen oder nicht. Viele werden nun sagen: „Ja, es gibt halt Idioten“.

 

Es gibt jedoch auch eine Form sprachlicher Gewalt, die ebenso Beachtung finden sollte: Die kleinen Kommentare, die im häuslichen und sozialen Umfeld zu gewaltsamen Handlungen führen können. Ein paar wenige Beispiele:

 

·         „Willst du dir wirklich eine Pommes bestellen? Ich dachte du hast nen Kilo zugenommen. Iss mal lieber Salat!“

 

·         „Stell dich mal nicht an, als ob mein Tag nicht stressig war.“

 

·         „Ich will nicht, dass du einen Rock trägst. Deine Beine gehen nur mich etwas an!“

 

·         „Fick dich!“

 

·         „Du kannst mich mal!“

 

·         „Du läufst ja auch manchmal rum wie eine Nutte.“

 

·         „Schaffst du das Bisschen nicht alleine?“

 

Immer kann ein ungleiches Verhältnis in solchen Aussagen gefunden werden. Oder eben der Appell, dass etwas nicht „richtig“ mit dem Gegenüber zu sein scheint. Das Gefühl nicht auszureichen entsteht; nicht genügend, nicht vollkommen zu sein. Freiheiten werden eingeschränkt. Beleidigungen halten Einzug.

 

Häufig ist unsere Sprache im Alltag viel gewalttätiger als zunächst angenommen oder auch (vermeintlich) gemeint. Wer hat noch nie „Arschloch“ lachend gesagt? Wer kann sich davon freisprechen nicht auch einmal „Moppelchen“ als vermeintlich liebevollen Kosenamen gesagt zu haben? Es kursierte lange Zeit die Wendung „Ob du behindert bist…“ im Internet – alles unter dem Deckmantel, dass es „nicht so gemeint“ sei. Dass man die eigentliche Bedeutung gar nicht transportieren, sondern einen Witz machen wollte… Alle diese Aussagen haben jedoch einen Adressaten. Einen, dem diese Aussagen wehtun können. Solche Aussagen werden „weggelacht“. Beiseite geschoben…oder eine Frau (oder ein Mädchen oder Junge oder Mann) schaut an sich herunter und fragt sich: Was stimmt denn nicht mit mir?

 

Wenn jeder ein bisschen mehr Bewusstsein für Sprache und Gewalt in der Sprache entwickeln würde, wären die Menschen deutlich lieber zueinander! Auch damit kann man die Welt ein bisschen besser machen!

 

Jeder kann was tun! Ich renne!

 

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