Warum sind Frauenhäuser so wichtig?

Warum gibt es eigentlich Frauenhäuser? Und warum sind Frauenhäuser häufig belegt? Haben die Opfer keine Freunde oder Familie, zu denen sie gehen könnten?

 

Die Antwort auf diese Fragen ist häufig nicht einfach. Die Gründe, warum Frauen nicht zu anderen Menschen gehen können oder wollen, sind vielfältig. Einerseits bdeutet Scham eine große Hemmschwelle. Den Opfern fällt es schwer, das mitzuteilen, was sie erlebt haben. Allzu häufig geben sie sich selbst die Schuld an dem, was bei ihnen zu Hause passiert ist. Immerhin ist es ihr Partner, der Mensch, den sie sich selbst ausgesucht haben, der ihnen Leid zugefügt hat. Häufig lieben sie diesen – oder viel mehr die Vorstellung der Partnerschaft, die sie zu Beginn der Beziehung hatten. In den meisten Fällen entwickelt es sich erst im Laufe der Zeit so, dass physische oder psychische Gewalt ein Thema wird. Andererseits ist es eben die psychische Gewalt, welche dafür sorgt, dass die Frauen keine andere Möglichkeit haben, als in ein Frauenhaus zu gehen. In einem längeren Prozess werden sie von ihrem sozialen Umfeld isoliert.

 

Der Partner, der sich immer mehr wünscht, dass die Frau zu Hause bleibt und eben nicht zum Sport geht, hat vielleicht recht? Er sagt, dass die beste Freundin ein schlechter Einfluss ist, denn die hat es ja gewagt, ihn in aller Öffentlichkeit zu kritisieren. Und zur eigenen Mama gehen? Die Frau, die -so meinte er zumindest- von Anfang an etwas gegen ihn hatte. Im Glauben an das Gute im Menschen und der Wunsch nach einer soliden Partnerschaft sorgt dafür, dass Opfer sich immer mehr zurück ziehen und auf diese Weise nicht nach außen treten kann, was in der heimischen Wohnung passiert. Darüber hinaus spielt natürlich auch die Angst, was ihnen passiert, wenn der Partner erfährt, dass sie sich trennen wollen, eine zentrale Rolle. Freunde und Familie sind schnell erreicht – Opfer werden unter Druck gesetzt und der Partner verspricht, vielleicht zum 100. Mal, dass sich von nun an alles ändern wird. Es ändert sich aber nichts.

 

Im Frauenhaus können die Frauen anonym unterkommen. Adressen der Häuser sind nicht zu finden. Sie können sich zurückziehen, Pläne machen, Wohnungen suchen, Kontakte aufnehmen. Vor allem können sie weinen, sich trösten lassen und erleben, dass sie mit den Problemen nicht allein und vor allem nicht die Einzigen sind. Mut aufbauen, Selbstbewusstsein erlangen und stark werden sind die Ziele der Frauen in diesen wichtigen Einrichtungen. Leider gibt zu wenige Einrichtungen in Deutschland, um jedem Opfer zu jeder Zeit eine Unterkunft anbieten zu können. Häufig bleibt es bei dem einen Anruf in einem Frauenhaus, das belegt ist. Dafür brauchte die eine oder andere Frau so viel Mut, dass sie bei einer Ablehnung keine weiteren Schritte geht. Dann bleibt sie in dem „Zuhause“, das eigentlich keines ist.

 

Jeder kann etwas tun – ich renne!